Mehr Strom aus Sonne, Wind und Erdwärme – Der Umweltschützer Horst Prem mahnt beim SPD-Ortsverein Oberhaching auch Konsequenzen für die persönliche Lebensführung an.
Manches Licht ist den Oberhachinger Genossen beim äußerst informativen und aufrüttelnden Vortrag von Horst Prem, Gründungsmitglied der Solarinitiative München Land (SIMLA), zum Thema Energie und Klimaschutz aufgegangen. Der gelernte Flugzeugingenieur und engagierte Umweltschützer aus Ottobrunn zeigte vor den Mitgliedern des SPD-Ortsvereins Wege auf, wie der Landkreis München seine ehrgeizigen Klimaschutzziele, denen sich auch Oberhaching verschrieben hat, erreichen kann. Nach dieser Vision sollen bis zum Jahr 2050 sechzig Prozent des bisherigen Energieverbrauchs eingespart, die übrig gebliebenen vierzig Prozent durch regenerative Energiequellen gedeckt werden. Das geht nicht ohne persönlichen Verzicht, beispielsweise auf unbegrenzte Mobilität oder die gewohnten Fleischberge auf dem Teller, wie Horst Prem deutlich machte. Er lieferte damit jede Menge Stoff für eine anschließende lebhafte Diskussion.
„Die Weichen für den Klimaschutz werden in den nächsten zehn Jahren gestellt“, mahnte der Referent. Denn die heutige Technik sei veraltet und ineffektiv und der technischen Zivilisation des 21. Jahrhunderts unwürdig. „Wir betreiben Heizöfen und keine Kraftwerke“, stellte er fest Bei der Stromproduktion würde nur ein Drittel der erzeugten Energie genutzt, zwei Drittel gingen als Abwärme in die Atmosphäre oder heizten Rhein und Donau auf. Die Zuschüsse für die Fotovoltaik würden von der Bundesregierung gekürzt, während die Atomkraftwerke länger laufen sollen. „Das kann kein Zukunftskonzept sein“, empörte sich Prem. Denn einer Studie zufolge sei der Umstieg auf erneuerbare Energien billiger, als auf dem bisherigen Weg zu beharren. Schließlich gehe es nicht nur darum, Kohlendioxid einzusparen, sondern „die Erde wieder in einen vernünftigen Zustand zu bringen“.
Deutschland liegt mit einem Ausstoß von elf Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner und Jahr europaweit zwar im Mittelfeld, England, Frankreich und Italien pusten wegen ihrer zahlreichen Atommeiler weniger in die Luft. Bei dieser Rechnung werde allerdings die CO2-Emission bei der Urangewinnung, dem Verpacken der Brennstäbe, dem Bau der AKWs und für Endlagerung und Entsorgung übersehen.
„Die Zukunft gehört der dezentralen Energieversorgung, das heißt: den Verbrauch dort decken, wo er entsteht.“ Eine wesentliche Rolle werden dabei künftig Blockheizkraftwerke spielen. Aufbereitetes Biogas könnte in die vorhandenen Gasnetze eingespeist werden. Zusätzlich sollte Strom mehr und mehr aus Windkraft, Fotovoltaik und auch Erdwärme gewonnen werden. „Wenn bei der enorm teuren Geothermie nur die Wärme genutzt wird, wird sie finanzielle Probleme bekommen“, warnte Prem. Strom aus regenerativer Quelle werde auch die Elektroautos antreiben, die damit quasi als Energiespeicher dienten. Solarstrom aus der Sahara für Mitteleuropa hält Prem dagegen für einen Irrweg: „Das Konzept taugt nur für die angrenzenden Länder.“ Ohne persönlichen Verzicht geht es allerdings nicht. Konsum und Ernährung sind laut Prem für vierzig Prozent des Kohlendioxidausstoßes verantwortlich, genauso viel wie Heizen und Verkehr. „Wir müssen unser Konsumverhalten ändern und uns überwiegend vegetarisch ernähren.“
„Was können der Landkreis München und die Gemeinde Oberhaching für die Umsetzung der Energievision tun?“ Mit dieser Frage wurde die anschließende Diskussion eingeleitet. Horst Prem nannte einige Beispiele. So könnte bei der Biomüllvergärungsanlage in Kirchstockach eine Tankstelle für Biogas gebaut werden. Die Gemeinden sollten außerdem in ihren Baurichtlinien Dämmwerte für Neubauten sowie eine dezentrale Energieversorgung zwingend vorschreiben.