Eva Pabst von der „Fachstelle für pflegende Angehörige“ beim SPD-Ortsverein Oberhaching
Hier ist guter Rat gar nicht teuer, sondern sogar kostenlos. Und dennoch hat die „Fachstelle für pflegende Angehörige“ noch Kapazitäten frei. Denn diese Einrichtung des Landkreises München ist viel zu wenig bekannt. Um das ein wenig zu ändern, hat der SPD-Ortsverein Oberhaching deren Leiterin Eva Pabst zu seiner gut besuchten Ortsvereinsversammlung eingeladen. Die Deisenhofenerin schilderte den Genossen anschaulich und ausführlich die vielfältige Arbeit ihres kleinen Teams mit zweieinhalb Planstellen. Fazit des Abends nach dem Vortrag und einer angeregten Diskussion: Es gibt Gemeinden im Landkreis München mit schlechteren Bedingungen für Senioren, aber auch in Oberhaching ist einiges verbesserungsfähig. Darum will sich der SPD-Ortsverein in Zukunft intensiv kümmern.
Die Fachstelle hat ihre Adresse zwar in Schwabing, für ihre Arbeit schwärmen Pabst und ihre Mitarbeiterinnen aber im ganzen Landkreis aus. „Die Beratung findet, soweit gewünscht, fast ausschließlich vor Ort statt“, sagte Pabst. Dort könne man sich am besten ein Bild von der Situation der Hilfesuchenden machen. Und das sind überwiegend Menschen mit chronischen Erkrankungen, sie leiden unter Parkinson oder Demenz, Multimorbidität, also Mehrfacherkrankungen, haben aber auch häufig soziale oder psychische Probleme, sind einsam oder können ihren Haushalt nicht mehr alleine bewerkstelligen. „Da müssen häufig viele einzelne Hilfen koordiniert werden.“ Aber auch beim Kampf mit Ämtern und Papieren helfen die Fachkräfte, etwa bei Anträgen auf Pflegegeld oder einen Behindertenausweis. „Ältere nehmen Unterstützung häufig nur zögerlich an, leider erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, bedauerte die Referentin. Die Beraterinnen wissen auch, welche ambulanten Dienste existieren und wo es Plätze für Kurzzeitpflege gibt. Sie helfen Betroffenen beim behindertengerechten Umbau ihrer Wohnung oder, wenn es gar nicht mehr anders geht, bei der Suche nach einem passenden Heimplatz. „Erstes Ziel ist allerdings, dass die Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben“, stellte Eva Pabst bei der SPD-Versammlung im Gasthaus Forstner klar. Zwei Drittel der Demenzkranken werden von ihren Angehörigen versorgt. Diese finden kostenlosen Rat und Hilfe bei der Fachstelle, „damit sie wissen, was auf sie zukommt und Kraft haben für ihre wichtige Arbeit“. Coaching gibt es auch für Nachbarschaftshilfen, etwa zu Themen wie Demenz oder Messie-Syndrom.
Die „Fachstelle für pflegende Angehörige“ wird zu 80 Prozent vom Landkreis München finanziert. 15 Prozent zahlt das Zentrum Bayern Familie und Soziales, den Rest der Paritätische Wohlfahrtsverband. Sie wurde vor zwei Jahren im Landkreis München ins Leben gerufen, um die Benachteiligung von älteren Menschen auf dem Land auszugleichen. Man arbeite dabei gut mit den Kliniksozialdiensten zusammen, berichtete Eva Pabst den Genossen. Die Kooperation mit Hausärzten lasse dagegen noch zu wünschen übrig.
Die SPD-Ortsvorsitzende Margit Markl nannte die Seniorenarbeit in der Gemeinde „die wichtigste Aufgabe in den kommenden Jahren“. Schließlich habe es unsere Generation als erste in der Hand, die Bedingungen für ihren Lebensabend selbst aktiv mit zu gestalten. Diese Chance müsse man nutzen.